Giralgeldschöpfung

Share Button
Giralgeldschöpfung

Mit dem Thema der privaten Giralgeldschöpfung (exakter: Kreditschöpfung) nähern wir uns bereits dem wohl größten Coup den private Geschäftsbanken jemals landen konnten. Es scheint so clever eingefädelt worden zu sein, dass die Bevölkerung bis heute keine Kenntnis davon genommen bzw. die tieferen Hintergründe begriffen hat. Unser gesamtes Wirtschaftssystem basiert darauf. Auch deshalb scheint die Giralgeldschöpfung durch private Geschäftsbanken ein so wohlgehütetes Geheimnis zu sein. Schließlich sind wir wirklich alle davon abhängig. Dabei ist es gar nicht so komplex, diesen offensichtlichen Coup zu durchschauen. Darüber hinaus könnten wir die Erkenntnisse auch für unsere eigene finanzielle Situation glänzend nutzen. Die meisten Menschen scheinen aber leider den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen. Schon Berthold Brecht betonte dereinst: „Bankraub ist eine Initiative von Diletanten, wahre Profis gründen eine Bank.”

Wie funktioniert die Giralgeldschöpfung?

Geschäftsbanken besitzen dabei die Macht Giral- oder Buchgeld durch Kreditvergabe zu erschaffen. Entgegen dem richtigen Geld der (zum Teil privaten) Zentralbanken (Banknoten) ist es jedoch kein gesetzliches Zahlungsmittel (Zentralbankgeld). Im engeren Sinne handelt es sich also nicht um eine Geldschöpfung, sondern um eine Kreditschöpfung nicht-gesetzlichen Zahlungsmittels die in der Regel eben als Giralgeldschöpfung bezeichnet wird. Als Basis dient das Fractional Banking System. Geschäftsbanken können auf Basis variierender Reservesätze, mittels Kreditvergabe, Buchgeld ausgeben. Für diesen Prozess ist lediglich ein Buchungssatz nötig, der neue Forderungen Verbindlichkeiten in selber Höhe gegenüberstellt. Giralgeldschöpfung setzt also eine Kreditvergabe voraus.  Das wiederum geschieht mittels einer einfachen Bilanzverlängerung. Im digitalen Zeitalter beschränkt sich der Arbeitsaufwand für die Bank auf ein Minimum!

Es wird also entgegen dem allgemeinen (Miss)verständnis, wenn überhaupt, nur noch ein Bruchteil des von den Sparern eingelegten Geldes weiterverliehen. Der Großteil wird heute völlig digital durch Kreditvergabe erzeugt. So einfach schafft man Bankguthaben für Kunden, die dafür fleißig Zinsen bezahlen. Problematisch ist bei der Giralkreditschöpfung wie auch bei der Zentralbankgeldschöpfung jedoch, dass die Zinsen (näheres dazu im Kapitel Zins & Zinseszins) niemals mit erzeugt werden. Das generiert eine Endlosspirale von Schulden, die das herrschende Schuldgeldsystem und damit das Hamsterrad immer weiter beschleunigt.

Die Abhängigkeit des Staates von der Giralgeldschöpfung

Auch der Staat ist auf diese Art der Kreditschöpfung angewiesen, denn die Geschäftsbanken sind die größten Gläubiger der Staaten. Gibt der Staat nämlich neue Staatsanleihen heraus, werden diese im Wesentlichen von Geschäftsbanken und Versicherungen aufgekauft. Die Zinsen bezahlt der Steuerzahler! Zinsen sind der zweitgrößte Posten im Staatshaushalt. Außerdem ergibt sich ein weiterer Vorteil für die Bank. Staatsanleihen können nämlich auch als “Sicherheiten” bei der Zentralbank (mit einem kleinen Abschlag, der sog. Risikoprämie) hinterlegt werden, um noch mehr “Geld” von der Zentralbank zu erhalten und noch mehr Kredite vergeben zu können. Dies geschah jedoch lange mit der falschen Annahme, Staaten könnten gar nicht Pleite gehen. Ein Staatsbankrott hätte fatale Auswirkungen auf die Bilanzen der Banken, da gekaufte Staatsanleihen plötzlich nichts mehr wert wären. Droht der Bank der Bankrott, folgen weitere Konsequenzen:

  1. Werden die Kredite der Kreditnehmer eingefordert um die eigenen Verluste irgendwie aufzufangen.
  1. es werden keine Kredite mehr an die Wirtschaft weitergegeben. In einem auf Pump (Kredit) aufgebauten Wirtschaftssystem kommt es dadurch zu heftigen Problemen für die Unternehmen und die Belegschaft.

Um einen Zusammenbruch (z.B. von Griechenland) zu vermeiden, werden von den jeweiligen Regierungen immer wieder Hilfspakete in Milliardenhöhe geschnürt. Damit soll ein ohnehin schwächelndes System künstlich am Leben gehalten werden. Das ist zum Vorteil einiger Weniger. Außerdem spricht man sehr gerne Garantien für die Banken aus. Garantien sind gleichbedeutend mit den Steuergeldern der Bürger. In diesem Zusammenhang prägte man auch die Aussage “too big to fail” – zu groß um zu scheitern. Bräche eine große Bank in Deutschland zusammen, wäre eine Kettenreaktion zu erwarten die durch die genannten Punkte (1 + 2) erheblichen Schaden in der Realwirtschaft anrichten würden. Hjalmar Schacht (1877 – 1979), ein deutscher Bankier sagte dazu einst:

“Wenn Banken zu groß sind, pleite zu gehen,
dann sind sie einfach zu groß.”

Es wird also schnell deutlich, dass die Macht der Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken (den Financiers der Staaten) durch das Fractional-Banking System (Mindestreservesystem) in der breiten Masse deutlich unterschätzt wird. Schlicht und einfach deshalb, weil der Prozess kaum bekannt ist. Wären die Menschen besser darüber informiert, wäre eine Verbesserung des Systems zum Wohle der übrigen 99 Prozent – die momentan vom System in einem Hamsterrad gefangen gehalten werden – ganz einfach möglich!


Giralgeld-27082016